Mappe V | 6 | 39

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( 52. Atemzüge ..) 6.

Arten des leidenschaftlichen Seins ein Vorbild, oder und vielleicht gar ihren Ursprung, schon an jedem Gefühl haben. An jedem Gefühl lassen sich diese zwei Seiten seines Aufbaus und seines Verhaltens unterscheiden. Was ich die appetitive nenne, Seiten unterscheiden" fuhr er fort. Aber merkwürdigerweise sprach er dann nur von dem, was er unter der appetitiven verstand. Sie drängt zum Handeln, zur Bewegung, zum Genuß; da durch ihre Wirkung verwandelt sich das Gefühl in ein Werk, oder auch in eine Idee und Überzeugung, oder in eine Enttäuschung. Das alles sind Formen seiner Entspannung, können aber auch solche der Umspannung und Neukräftigung sein. Also Denn dadurch auf diese Art wandelt verändert sich das Gefühl, nutzt sich ab, verläuft sich in seinem Erfolg und findet darin ein Ende; oder es verkapselt sich in ihm darin und verwandelt seine lebendige Kraft nun in seine aufgespeicherte, die ihm diese jene die lebendige später, und gelegentlich , und oft mit Zinseszins, wieder zurückgiebt. „Und liegt es nicht schon gerade daran wird etwa nicht dadurch schon zur Genüge das eine verständlich , daß die rüstige Tätigkeit unseres weltlichen Fühlens und seine Hinfälligkeit, über die du so angenehm geseufzt hast, keinen tiefen großen Unterschied für uns ausmachen, mag er auch ein groß tief er sein?" schloß Ulrich einstweilen seine Antwort.

"Nur zu sehr kannst du recht haben!" stimmte Agathe zu. „Mein Gott, dieses ganze Werk des Gefühls, sein weltlicher Reichtum, dieses Wollen und Freuen, Tun und Untreuwerden, wegen nichts, als weil es treibt , ! einbezogen alles, was man erfährt und vergißt: e E s ist ja schön wie ein Baum voll Äpfel in jeder Farbe, aber es ist auch sinnlos eintönig wie alles, was jedes Jahr auf die gleiche Art sich rundet und abfällt!"

Ulrich nickte zu dieser einen Hauch von Ungestüm und Verzicht bewegten angehauchten ausatmenden Antwort seiner Schwester. „Dem appetit iv artig en Teil der Gefühle verdankt die Welt alle Werke und alle Schönheit, allen Fortschritt, aber auch alle Unruhe, und zuletzt all ihren sinnlosen Kreislauf!" be stät kräft igte er. „Weißt du übrigens, daß man unter dem, was ich den appetitiven Teil der Gefühle nenne, fügte er hinzu daß man unter diesem ‚appetitartig’ einfach versteht, was triebhaft an ih ist den Anteil versteht, den die uns eingeborenen Triebe an ihnen einem jede n m Gefühl haben? Also " , habe ich doch nicht fügte er hinzu „haben wir damit gesagt, daß es die Triebe sind, wem die Welt die Schönheit und den Fortschritt, und die wirre Unruhe verdankt? Ich möchte auch nicht, daß wir jetzt über dem zweiten das erste zu sehr vergäßen." Gemeinhin sucht man ja das zweite; aber ich möchte wohl natürlich auch, daß wir darüber das erste nicht außeracht l ieß ass en!" Schönheit und Fortschritt verdankt." "Und ihre wirre Unruhe" wiederholte Agathe.

"Gewöhnlich sagt man gerade das; darum erscheint es mir nützlich, daß wir auch das andere nicht außeracht lassen! " Denn es ist ja zu 52 7