MoE2 | Teil 2 | Kapitel 76-79

So weit war der dicke General ja ganz urban, wenn er auch seine Besuche machte, ohne aufgefordert worden zu sein, und Diotima hatte ihm mehr anvertraut, als sie wollte. Was ihn trotzdem mit Schreck umgab und sie nachträglich ihre Liebenswürdigkeit wieder bedauern hieß, war eigentlich nicht er selbst, sondern, wie Diotima es sich erklärte, ihr alter Freund Graf Leinsdorf. War Se. Erlaucht eifersüchtig? Und wenn, auf wen? Leinsdorf zeigte sich dem Konzil, obgleich er es jedesmal mit kurzer Anwesenheit beehrte, nicht so günstig, wie Diotima erwartet hatte. Se. Erlaucht hatte eine ausgesprochene Abneigung gegen etwas, das er Nur-Literatur nannte. Es war das eine Vorstellung, die sich für ihn mit Juden, Zeitungen, sensationssüchtigen Buchhändlern und dem liberalen, ohnmächtig schwätzenden, für Geld produzierenden Geist des Bürgertums verband, und das Wort Nur-Literatur war geradezu ein neuer Ausdruck von ihm geworden. Jedesmal, wenn Ulrich Anstalten traf, ihm die mit der Post eingelaufenen Vorschläge vorzulesen, worunter sich alle die Anregungen befanden, die Welt vorwärts oder zurück zu bewegen, wehrte er jetzt mit den Worten ab, die jedermann gebraucht, wenn er neben seinen eigenen Absichten auch noch die Absichten aller anderen Menschen erfährt, er sagte: »Nein, nein, ich habe heute etwas Wichtiges vor, und das da ist ja doch nur Literatur!« Er dachte dann an Felder, Bauern, kleine Landkirchen und jene fest von Gott wie die Garben auf einem geschnittenen Feld gebundene Ordnung, die so schön, gesund und lohnend ist, wenn sie auf den Gütern auch zuweilen Schnapsbrennereien zuläßt, um der Entwicklung Rechnung zu tragen. Hat man aber diese ruhige Weite des Blicks, so erscheinen in ihr Schützenvereine und Molkereigenossenschaften, mögen sie noch so abseits zu Hause sein, als ein Stück fester Ordnung und Bindung; und sollten sie sich veranlaßt sehen, auf weltanschaulicher Grundlage eine Forderung zu stellen, so hat diese, wie man sagen könnte, den Vorrang eines grundbücherlich eingetragenen Geistesbesitzes vor den Forderungen, die der Geist irgendeines Privatmannes aufstellt. So kam es, daß Graf Leinsdorf, wenn Diotima mit ihm ernst über das reden wollte, was sie von den großen Geistern in Erfahrung gebracht hatte, gewöhnlich die Eingabe irgendeines Vereines von fünf Dummköpfen in der Hand hatte oder aus der Tasche zog und die Behauptung aufstellte, dieses Papier wiege in der Welt der realen Sorgen schwerer als die Einfälle von Genies.
Das war ein ähnlicher Geist wie der, den Sektionschef Tuzzi an den Archiven seines Ministeriums rühmte, die es ausschlossen, das Konzil amtlich als vorhanden anzusehen, dagegen jeden Flohstich des kleinsten Provinzboten blutig ernst nahmen; und Diotima hatte in solchen Sorgen niemand, dem sie sich anvertrauen konnte, außer Arnheim. Aber gerade Arnheim nahm Se. Erlaucht in Schutz. Er war es, der ihr die ruhige Weite des Blicks dieses Grandseigneurs auseinander setzte, als sie sich über die Vorliebe beklagte, die Graf Leinsdorf für Standschützen und Molkereigenossenschaften an den Tag lege. »Se. Erlaucht glaubt an die richtunggebende Kraft des Bodens und der Zeit« erläuterte er ernst. »Glauben Sie mir, das kommt vom Landbesitz. Der Boden entkompliziert, so wie er das Wasser reinigt. Selbst ich auf meinem sehr bescheidenen Gut verspüre bei jedem Aufenthalt diese Wirkung. Das wirkliche Leben macht einfach.« Und nach einigem Zögern fügte er hinzu: »Se. Erlaucht ist in seiner großlinigen Lebensgestaltung auch äußerst tolerant, um nicht zu sagen, waghalsig duldsam –« Da diese Seite an ihrem erlauchten Gönner Diotima neu war, blickte sie lebhaft auf. »Ich möchte nicht mit Sicherheit behaupten,« fuhr Arnheim mit unbestimmtem Nachdruck fort »daß Graf Leinsdorf bemerkt, wie sehr Ihr Vetter als Sekretär sein Vertrauen mißbraucht, natürlich nur gesinnungsmäßig, will ich gleich hinzufügen, durch seine Skepsis gegen hohe Pläne und spöttische Sabotage. Ich würde befürchten, daß sein Einfluß auf Graf Leinsdorf kein günstiger sei; wenn nicht dieser wahre Pair eben so sicher eingefügt wäre, in die großen überlieferten Gefühle und Ideen, auf denen das wirkliche Leben ruht, daß er sich dieses Vertrauen wahrscheinlich gestatten kann.«
Das war eine starke und verdiente Äußerung über Ulrich, aber Diotima achtete nicht so sehr darauf, weil ihr der andere Teil von Arnheims Auffassung Eindruck machte, gleichsam Güter nicht wie ein Gutsbesitzer zu besitzen, sondern wie eine seelische Massage; sie fand das großartig und sann dem Gedanken nach, sich als Gattin auf einem solchen Gut zu denken. »Ich bewundere manchmal,« sagte sie »mit wieviel Nachsicht Sie über Se. Erlaucht urteilen! Das ist doch schließlich ein versinkender Geschichtsabschnitt?« »Ja, gewiß;« erwiderte Arnheim »aber die einfachen Tugenden, Mut, Ritterlichkeit und Selbstzucht, welche diese Kaste vorbildlich entwickelt hat, werden immer ihren Wert behalten. Mit einem Wort, der Herr! Ich habe dem Element des Herrn auch im Geschäftsleben immer größeren Wert beilegen gelernt.«
»Dann wäre der Herr am Ende beinahe das gleiche wie das Gedicht?« fragte Diotima nachdenklich.
»Sie haben ein wunderbares Wort gesagt!« bekräftigte ihr Freund. »Es ist das Geheimnis des kraftvollen Lebens. Man kann mit dem Verstand allein weder moralisch sein, noch Politik machen. Der Verstand reicht nicht aus, die entscheidenden Dinge vollziehen sich über ihn hinweg. Menschen, die Großes erreichten, haben immer die Musik, das Gedicht, die Form, Zucht, Religion und Ritterlichkeit geliebt. Ja ich möchte sogar behaupten, daß nur Menschen, die das tun, Glück haben! Denn das sind die sogenannten Imponderabilien, die den Herrn, den Mann ausmachen, und noch was in der Bewunderung des Volks für den Schauspieler mitschwingt, ist ein unverstandener Rest davon. Aber um auf Ihren Vetter zurückzukommen: Es ist natürlich nicht einfach so, daß man anfängt, konservativ zu werden, wenn man zu bequem für Ausschweifungen geworden ist; sondern, wenn wir auch alle als Revolutionäre geboren werden, eines Tages bemerkt man, daß ein einfach guter Mensch, wie immer seine Intelligenz zu bewerten sein möge, ein verläßlicher, heiterer, tapferer, treuer Mensch also, nicht nur einen unerhörten Genuß bereitet, sondern auch der wirkliche Erdstoff ist, in dem das Leben ruht. Das ist eine Altvordernweisheit, aber sie bedeutet den entscheidenden Wechsel des Geschmacks, der in der Jugend natürlich auf das Exotische gerichtet ist, zum Geschmack des Mannes. Ich bewundere in vielem Ihren Vetter, oder wenn das zu viel gesagt sein sollte, denn man kann wenig von dem verantworten, was er spricht, so möchte ich beinahe sagen, ich liebe ihn, denn er hat etwas außerordentlich Freies und Unabhängiges neben vielem, was innerlich steif und sonderbar ist; eben diese Mischung von Freiheit und innerer Steifigkeit macht übrigens vielleicht seinen Reiz aus, aber er ist ein gefährlicher Mensch, mit seiner infantilen moralischen Exotik und seinem ausgebildeten Verstand, der immer ein Abenteuer sucht, ohne zu wissen, was ihn eigentlich dazu treibt.«

Diotima hatte wiederholt Gelegenheit, die Imponderabilien der Haltung an Arnheim zu beobachten.
So wurden zum Beispiel auf seinen Rat den Tagungen des »Konzils« (wie Sektionschef Tuzzi etwas spöttisch den »Ausschuß zur Fassung eines leitenden Beschlusses in Bezug auf das siebzigjährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät« getauft hatte) manchmal auch die Repräsentanten großer Zeitungen zugezogen, und Arnheim erfreute sich, obgleich er nur als Gast ohne Amt anwesend war, einer Aufmerksamkeit bei ihnen, vor der alle andere Berühmtheit zurücktrat. Denn aus irgendeinem imponderablen Grund sind ja die Zeitungen nicht Laboratorien und Versuchsstätten des Geistes, was sie zum allgemeinen Segen sein könnten, sondern gewöhnlich Magazine und Börsen. Es würde Platon – um ihn als Beispiel zu nehmen, weil man ihn neben einem Dutzend anderer den größten Denker nennt, – ganz bestimmt, wenn er noch lebte, entzückt sein von einem Zeitungsbetrieb, wo jeden Tag eine neue Idee erschaffen, ausgewechselt, verfeinert werden kann, wo von allen Enden der Welt, mit einer Geschwindigkeit, die er nie erlebt hat, die Nachrichten zusammenströmen und ein Stab von Demiurgen bereit ist, sie augenblicklich auf ihren Gehalt an Geist und Wirklichkeit zu prüfen. Er würde in einer Zeitungsredaktion jenen Topos uranios, den himmlischen Ort der Ideen vermutet haben, dessen Vorhandensein er so eindringlich beschrieben hat, daß noch heute alle besseren Menschen, wenn sie zu ihren Kindern oder Angestellten sprechen, Idealisten sind. Und natürlich würde Platon, wenn er heute plötzlich in einer Redaktion vorsprechen und nachweisen würde, daß er wirklich jener große Schriftsteller sei, der vor mehr als zweitausend Jahren gestorben ist, damit ungeheures Aufsehen erregen und die lohnendsten Anträge erhalten. Wäre er dann imstande, binnen drei Wochen einen Band philosophischer Reisebriefe zu schreiben und einige tausend seiner bekannten Kurzgeschichten, vielleicht auch eines oder das andere seiner älteren Werke zu verfilmen, so würde es ihm sicher auf längere Zeit ganz gut gehen. Sobald jedoch die Aktualität seiner Wiederkehr vorbei wäre und Herr Platon wollte dann noch eine seiner bekannten Ideen, die sich niemals ganz durchsetzen konnten, verwirklichen, so würde ihn der Chefredakteur nur noch auffordern, zuweilen für die Unterhaltungsbeilage des Blattes ein hübsches Feuilleton darüber zu schreiben (aber möglichst locker und flott, nicht so schwer im Stil, mit Rücksicht auf den Leserkreis), und der Feuilleton redakteur würde hinzufügen, daß er einen solchen Beitrag leider höchstens einmal im Monat unterbringen könne, weil doch noch so viele andere Talente zu berücksichtigen seien. Und beide Herren würden danach das Gefühl besitzen, sehr viel für einen Mann getan zu haben, der zwar der Nestor der europäischen Publizisten ist, aber doch etwas überholt und an Gegenwartswert keineswegs einem Mann wie etwa Paul Arnheim gleichzustellen sei.
Was nun Arnheim angeht, so würde er zwar niemals dem beipflichten, weil seine Ehrfurcht vor allem Großen dadurch verletzt würde , aber in mancher Hinsicht würde er es doch sehr begreiflich finden. Heute, wo alles mögliche durcheinander geredet wird, wo Propheten und Schwindler die gleichen Redensarten gebrauchen, bis auf kleine Unterschiede, denen nachzuspüren kein beschäftigter Mensch die Zeit hat, wo die Redaktionen fortwährend damit belästigt werden, daß irgendwer ein Genie sei, ist es sehr schwer, den Wert des Menschen oder einer Idee richtig zu erkennen; man kann sich eigentlich nur auf das Gehör verlassen, um zu erkennen, wann das Gemurmel, Raunen und Scharren vor der Redaktionstür laut genug ist, um als Stimme der Allgemeinheit eingelassen zu werden. Von diesem Augenblick an tritt dann allerdings das Genie in einen anderen Zustand ein. Es ist nicht mehr bloß eine windige Angelegenheit der Buch- oder Theaterkritik, deren Widersprüche ein Leser, wie ihn sich die Zeitung wünscht, so wenig ernst nimmt wie das Gerede von Kindern, sondern es erhält den Rang einer Tatsache, mit allen Folgen, die das hat.
Törichte Eiferer übersehen das verzweifelte Bedürfnis nach Idealismus, das dahinter steckt. Die Welt des Schreibens und Schreibenmüssens ist voll von großen Worten und Begriffen, die ihre Gegenstände verloren haben. Die Attribute großer Männer und Begeisterungen leben länger als ihre Anlässe, und darum bleiben eine Menge Attribute übrig. Sie sind irgendeinmal von einem bedeutenden Mann für einen anderen bedeutenden Mann geprägt worden, aber diese Männer sind längst tot, und die überlebenden Begriffe müssen angewendet werden. Deshalb wird immerzu zu den Beiwörtern der Mann gesucht. Die »gewaltige Fülle« Shakespeares, die »Universalität« Goethes, die »psychologische Tiefe« Dostojewskis und alle die anderen Vorstellungen, die eine lange literarische Entwicklung hinterlassen hat, hängen zu hunderten in den Köpfen der Schreibenden umher, und aus reiner Absatzstockung nennen diese heute schon einen Tennisstrategen abgründig oder einen Modedichter groß. Man begreift, daß sie dann dankbar sind, wenn sie ihre vorrätigen Worte ohne Verlust an den Mann bringen können. Aber es muß ein Mann sein, dessen Bedeutung bereits eine Tatsache ist, so daß man es versteht, daß die Worte an ihm Platz finden, wenn es auch gar nicht darauf ankommt, wo. Und ein solcher Mann war Arnheim; denn Arnheim war Arnheim, an Arnheim war Arnheim daran, als Erbe seines Vaters war er schon als Ereignis geboren worden, und es konnte keine Zweifel an der Aktualität dessen geben, was er sagte. Er brauchte sich nur der kleinen Anstrengung zu unterziehen, irgend etwas zu äußern, das man mit gutem Willen bedeutend finden konnte. Und Arnheim selbst faßte das auch in einen richtigen Grundsatz. »Ein großer Teil der wirklichen Bedeutung eines Mannes liegt darin, sich seinen Zeitgenossen verständlich machen zu können« pflegte er zu sagen.
Er kam also auch diesmal ausgezeichnet mit den Zeitungen aus, die sich seiner bemächtigten. Er lächelte bloß über ehrgeizige Finanzleute oder Politiker, die am liebsten ganze Wälder von Blättern aufkaufen möchten; dieser Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, erschien ihm so ungeschlacht und verzagt, wie wenn ein Mann einer Frau Geld für ihre Liebe anträgt, obgleich er alles doch viel billiger dadurch haben kann, daß er ihre Phantasie erregt. Er hatte den Journalisten, die ihn über das Konzil befragten, geantwortet, daß schon die Tatsache dieser Zusammenkunft ihre tiefe Notwendigkeit beweise, denn in der Weltgeschichte geschehe nichts Unvernünftiges, und damit hatte er so ausgezeichnet ihre Berufsstimmung getroffen, daß dieser Ausspruch in mehreren Zeitungen wiedergegeben wurde. Es war, wenn man ihn näher betrachtet, auch wirklich ein guter Satz. Denn Menschen, die alles, was geschieht, wichtig nehmen, müßte übel werden, wenn sie nicht die Überzeugung hätten, daß nichts Unvernünftiges geschieht; aber andererseits würden sie sich, wie bekannt, auch lieber in die Zunge beißen, als etwas zu wichtig zu nehmen, und sei es gerade das Bedeutende selbst. Die leichte Prise von Pessimismus, die in Arnheims Äußerung lag, trug viel dazu bei, dem Unternehmen reelle Würdigkeit zu geben, und nun konnte auch der Umstand, daß er ein Landfremder war, als Teilnahme des gesamten Auslandes an ungeheuer interessanten geistigen Vorgängen in Österreich gedeutet werden.
Die anderen Berühmtheiten, die am Konzil teilnahmen, hatten nicht die gleiche unbewußte Gabe, der Presse zu gefallen, aber sie bemerkten die Wirkung; und da Berühmtheiten im allgemeinen wenig voneinander wissen und sich im Ewigkeitszug, der sie alle miteinander führt, meist nur im Speisewagen zu Gesicht bekommen, wirkte die besondere öffentliche Geltung, die Arnheim fand, ohne Nachprüfung auch auf sie ein, und obgleich er sich den Sitzungen aller bestallten Ausschüsse nach wie vor fernhielt, fiel ihm im Konzil ganz von selbst die Rolle eines Mittelpunktes zu. Je mehr diese Zusammenkunft fortschritt, desto deutlicher stellte es sich heraus, daß er ihre eigentliche Sensation war, obgleich er im Grunde nichts dafür tat, ausgenommen vielleicht, daß er auch im Verkehr mit den berühmten Mitteilnehmern ein Urteil an den Tag legte, das man als bekennensfreudigen Pessimismus in dem Sinne deuten konnte, daß wohl kaum etwas von dem Konzil zu erwarten sei, andererseits aber eine so edle Aufgabe für sich allein schon alle vertrauende Hingabe erfordere, über die man verfüge. Ein solcher zarter Pessimismus erwirbt auch unter großen Geistern Vertrauen; denn aus irgendwelchen Gründen ist die Vorstellung, daß der Geist heute überhaupt niemals wirklichen Erfolg hat, sympathischer als die, daß der Geist eines der Kollegen diesen Erfolg haben sollte, und man konnte Arnheims zurückhaltendes Urteil über das Konzil als eine Anpassung an diese Chance auffassen.

Die Gefühle Diotimas hatten nicht ganz die gleiche geradlinig aufsteigende Entwicklung wie der Erfolg Arnheims.
Es kam vor, daß sie inmitten einer Gesellschaft und ihrer in allen Zimmern kahl geräumten und verwandelten Wohnung in einem geträumten Land zu erwachen glaubte. Sie stand dann von Raum und Menschen umgeben, das Licht des Kronleuchters floß über ihr Haar und von da über Schultern und Hüften hinab, so daß sie seine hellen Fluten zu fühlen meinte, und sie war ganz Statue, Brunnenfigur hätte sie sein können, im Mittelpunkt eines Weltmittelpunkts, von höchster geistiger Anmut überströmt. Sie hielt diese Lage für eine nie wiederkehrende Gelegenheit, alles das zu verwirklichen, woran man im Lauf des Lebens als das Wichtigste und Größte geglaubt hat, und machte sich wenig mehr daraus, daß sie sich nichts Bestimmtes dabei denken konnte. Die ganze Wohnung, die Anwesenheit der Menschen darin, der ganze Abend umgab sie wie ein Kleid, das innen gelbseiden ist; sie fühlte es ihrer Haut zugekehrt, aber sie sah es nicht. Von Zeit zu Zeit wandte sich ihr Blick Arnheim zu, der gewöhnlich anderswo in einer Gruppe von Männern stand und redete; aber dann bemerkte sie, daß ihr Blick schon die ganze Zeit auf ihm geruht hatte, und es war nur ihr Erwachen, das sich ihm nachwandte. Es ruhten, wenn man so sagen darf, auch ohne daß sie hinsah, die äußersten Flügelspitzen ihrer Seele immer auf seinem Gesicht und meldeten, was darin vorging.
Und um bei Federn zu bleiben, wäre hinzuzufügen, daß etwas Geträumtes auch in seiner Erscheinung war, etwa ein Händler mit goldenen Engelsflügeln, der sich in die Versammlung herabgelassen hatte. Das Klirren von Expreß- und Luxuszügen, das Surren von Autos, die Stille von Jagdhütten, das Klatschen von Jachtsegeln war in diesen unsichtbaren, zusammengefalteten, bei einer erklärenden Gebärde seines Arms leise rauschenden Fittichen, mit denen ihr Gefühl ihn ausstattete. Arnheim war nach wie vor oft auf Reisen abwesend, und seine Gegenwart hatte dadurch immer etwas über den Augenblick und die lokalen Ereignisse Hinausreichendes, die für Diotima schon so wichtig waren. Sie wußte, daß ein geheimes Kommen und Gehen von Depeschen, Besuchern und Abgesandten des eigenen Geschäftes, während er hier war, stattfand. Sie hatte allmählich eine Vorstellung und vielleicht sogar eine übertriebene von der Bedeutung eines Welthauses und seiner Verflochtenheit mit den Vorgängen des großen Lebens erlangt. Arnheim erzählte zuweilen atemraubend interessant von den Beziehungen des internationalen Kapitals, Überseegeschäften und politischen Zusammenhängen; ganz neue Horizonte, zum erstenmal überhaupt Horizonte, taten sich vor Diotima auf, man brauchte ihn etwa nur ein einzigesmal über den französisch-deutschen Gegensatz sprechen gehört zu haben, von dem Diotima nicht viel mehr wußte, als daß beinahe alle Personen ihrer Umgebung eine leichte Abneigung gegen Deutschland, gemischt mit einer gewissen lästigen Bruderverpflichtung, hatten: in seiner Darstellung wurde es ein gallisch-keltisch-ostisch-thyreologisches Problem, verbunden mit dem der lothringischen Kohlengruben und weiterhin dem der mexikanischen Ölfelder und dem Gegensatz zwischen Englisch- und Lateinamerika. Von solchen Zusammenhängen hatte Sektionschef Tuzzi keine Ahnung oder zeigte sie wenigstens nicht. Er begnügte sich damit, Diotima von Zeit zu Zeit erneut darauf aufmerksam zu machen, daß seiner Ansicht nach Arnheims Anwesenheit und Bevorzugung ihres Hauses keinesfalls ohne die Annahme verborgener Zwecke zu verstehen sei, aber über deren mögliche Natur schwieg er und wußte selbst nichts davon.
So fühlte seine Gattin eindrucksvoll die Überlegenheit neuer Menschen über die Methoden veralteter Diplomatie. Sie hatte den Augenblick, wo sie den Entschluß faßte, Arnheim an die Spitze der Parallelaktion zu bringen, nicht vergessen. Es war die erste große Idee ihres Lebens gewesen, und sie hatte sich dabei in einem wunderlichen Zustand befunden; es war eine Art Traum- und Schmelzzustand über sie gekommen, die Idee war in so wunderbare Weiten geraten, und alles, was die Welt Diotimas bis dahin ausgemacht hatte, war dieser Idee entgegen geschmolzen. Was man davon in Worte zu fassen vermochte, bedeutete ja recht wenig; ein Glitzern war es, ein Flimmern, eine eigentümliche Leere und Ideenflucht, und man konnte sogar ruhig zugeben, – dachte Diotima – daß der darin enthaltene Kern, eben der, Arnheim an die Spitze der neuartigen patriotischen Aktion zu bringen, unmöglich gewesen sei. Arnheim war Ausländer, das blieb richtig. So unmittelbar, wie sie ihn Graf Leinsdorf und ihrem Gatten vorgetragen hatte, war dieser Einfall also nicht zu verwirklichen. Aber trotzdem war alles so gekommen, wie es ihr in diesem Zustande eingegeben worden war. Denn auch alle anderen Anstrengungen, der Aktion einen wirklich erhebenden Inhalt zu geben, waren bisher vergeblich geblieben; die große erste Sitzung, die Arbeiten der Ausschüsse, selbst dieser Privatkongreß, vor dem Arnheim übrigens, einer merkwürdigen Ironie des Schicksals gehorchend, gewarnt hatte, hatten bisher nichts anderes hervorgebracht als – Arnheim, um den man sich drängte, der unaufhörlich sprechen mußte und den geheimen Mittelpunkt aller Hoffnungen bildete. Das war der neue Typus Mensch, der berufen ist, die alten Mächte in der Lenkung der Geschicke abzulösen. Sie durfte sich schmeicheln, daß sie es gewesen war, die ihn sofort entdeckt, mit ihm über das Eindringen des neuen Menschen in die Sphären der Macht gesprochen und ihm geholfen hatte, gegen den Widerstand aller anderen hier seinen Weg zu gehen. Sollte also Arnheim wirklich dabei noch etwas Besonderes im Schilde geführt haben, wie Sektionschef Tuzzi vermutete, so wäre Diotima auch dann beinahe von vornherein entschlossen gewesen, ihn mit allen Mitteln zu unterstützen, denn eine große Stunde verträgt keine kleinliche Prüfung, und sie fühlte deutlich, daß sich ihr Leben auf einem Gipfel befand.
Von den Unglücksvögeln und Glückspilzen abgesehen, leben alle Menschen gleich schlecht, aber sie leben es in verschiedenen Etagen. Diese Selbstgefühlslage der Etage ist für den Menschen heute, der ja im allgemeinen wenig Ausblick auf den Sinn seines Lebens hat, ein überaus anstrebenswerter Ersatz. In großen Fällen kann sie sich zu einem Höhen- und Machtrausch steigern, so wie es Leute gibt, die in einem hohen Stockwerk schwindlig werden, auch wenn sie sich bei geschlossenen Fenstern in der Zimmermitte stehen wissen. Wenn Diotima bedachte, daß einer der einflußreichsten Männer Europas gemeinsam mit ihr daran arbeite, Geist in Machtsphären zu tragen, und wie sie beide geradezu durch Fügung des Schicksals zusammengeführt worden seien und was vor sich ging, auch wenn in dem hohen Stockwerk eines weltösterreichischen Menschheitswerks an diesem Tag gerade nichts Besonderes vorging: wenn sie das bedachte, so glichen die Verknüpfungen ihrer Gedanken alsbald Knoten, die sich zu Schlingen aufgelöst haben, die Denkgeschwindigkeit nahm zu, der Ablauf war erleichtert, ein eigentümliches Gefühl des Glücks und Gelingens begleitete ihre Einfälle, und ein Zustand des Zuströmens brachte ihr Einsichten, die sie selbst überraschten. Ihr Selbstbewußtsein war gesteigert; Erfolge, an die zu glauben sie früher nicht gewagt hätte, lagen in greifbarer Nähe, sie fühlte sich heiterer, als sie es gewohnt war, manchmal fielen ihr sogar gewagte Scherze ein, und etwas, das sie in ihrem ganzen Leben noch nie an sich beobachtet hatte, Wellen von Fröhlichkeit, ja Ausgelassenheit gingen durch sie. Sie fühlte sich wie in einem Turmzimmer mit vielen Fenstern. Aber das hatte auch sein Unheimliches an sich. Sie wurde von einem unbestimmten, allgemeinen, unsäglichen Wohlgefühl geplagt, das nach irgendwelchen Handlungen drängte, nach einem allseitigen Handeln, von dem sie sich keine Vorstellung zu machen vermochte. Man könnte fast sagen, die Drehung des Globus unter ihren Füßen kam ihr plötzlich zu Bewußtsein, und sie wurde sie nicht los; oder diese heftigen Vorgänge ohne greifbaren Inhalt waren so hemmend wie ein vor den Beinen herspringender Hund, den niemand kommen gesehn hat. Diotima ängstigte sich darum zuweilen vor der Veränderung, die ohne ihre ausdrückliche Genehmigung mit ihr vor sich gegangen war, und alles in allem glich ihr Zustand am ehesten jenem hellen nervösen Grau, das die Farbe des zarten, von aller Schwere befreiten Himmels in der mutlosen Stunde der größten Hitze ist.
Diotimas Streben nach dem Ideal machte dabei eine wichtige Wandlung durch. Dieses Streben war nie ganz sicher von der korrekten Bewunderung großer Dinge zu unterscheiden gewesen, es war ein vornehmer Idealismus, eine dezente Gehobenheit, und da man in den gegenwärtigen robusteren Zeiten kaum noch weiß, was das ist, mag einiges davon in Kürze noch einmal beschrieben werden. Er war nicht sachlich, dieser Idealismus, weil Sachlichkeit handwerksmäßig und Handwerk immer unsauber ist; er hatte vielmehr etwas von der Blumenmalerei von Erzherzoginnen, denen andere Modelle als Blumen unangemessen waren, und ganz bezeichnend für diesen Idealismus war der Begriff Kultur, er fühlte sich kulturvoll. Man konnte ihn aber auch harmonisch nennen, weil er alle Unausgeglichenheit verabscheute und die Aufgabe der Bildung darin sah, die leider in der Welt vorhandenen rohen Gegensätze in Harmonie miteinander zu bringen; mit einem Wort, er war vielleicht gar nicht so sehr verschieden von dem, was man noch heute –   allerdings nur dort, wo man an der großen bürgerlichen Überlieferung festhält, – unter einem gediegenen und sauberen Idealismus versteht, der ja sehr zwischen Gegenständen unterscheidet, die seiner würdig, und solchen, die es nicht sind, und aus Gründen der höheren Humanität keineswegs an die Überzeugung der Heiligen (und der Ärzte und Ingenieure) glaubt, daß auch in den moralischen Abfällen unausgenützte himmlische Heizkraft stecke. Wenn man Diotima früher aus dem Schlaf geweckt und gefragt hätte, was sie wolle, so würde sie, ohne sich besinnen zu müssen, geantwortet haben, die Liebeskraft einer lebendigen Seele habe das Bedürfnis, sich aller Welt mitzuteilen; aber nach einigem Wachsein würde sie es durch die Bemerkung eingeschränkt haben, daß man in der heutigen Welt, wie sie durch Überwuchern von Zivilisation und Verstand geworden sei, allerdings selbst bei den höchsten Naturen vorsichtigerweise nur noch von einem der Liebeskraft analogen Streben sprechen könne. Und sie würde es wirklich so gemeint haben. Es gibt noch heute Tausende solcher Menschen, die den Verstäubern von Liebeskraft gleichen. Wenn Diotima sich zum Lesen ihrer Bücher hinsetzte, so strich sie das schöne Haar aus der Stirn, was ihr ein logisches Ansehen gab, und sie las mit Verantwortungsbewußtsein und in dem Bestreben, sich aus dem, was sie Kultur nannte, eine Hilfe in der nicht leichten gesellschaftlichen Lage zu bilden, in der sie sich befand; so lebte sie auch, sie verteilte sich in kleinen Tröpfchen feinster Liebe an alle Dinge, die es verdienten, schlug sich als Hauch, in einiger Entfernung von sich selbst an diesen nieder, und für sie selbst blieb eigentlich nur die leere Flasche des Körpers zurück, die zum Hausstand des Sektionschefs Tuzzi gehörte. Das hatte vor dem Eintreffen Arnheims zuletzt zu Anwandlungen schwerer Melancholie geführt, als Diotima noch allein zwischen ihrem Gatten und der größten Ausstrahlung ihres Lebens, der Parallelaktion, gestanden war, seither hatte sich aber ihr Zustand in einer sehr natürlichen Weise neu gruppiert. Die Liebeskraft hatte sich kräftig zusammengezogen und war sozusagen in den Körper zurückgekehrt, und aus dem »analogen« Streben war ein sehr selbstisches und eindeutiges geworden. Jene, zuerst von ihrem Vetter hervorgerufene Vorstellung, daß sie sich im Vorzustand einer Tat befinde und daß etwas, das sie sich noch nicht vorstellen wollte, im Begriffe sei, zwischen ihr und Arnheim zu geschehen, besaß einen so viel höheren Konzentrationsgrad als alle Vorstellungen, die sie bisher beschäftigt hatten, daß sie nicht anders empfand, als wäre sie vom Traum zum Wachen übergegangen. Auch eine Leere, wie sie diesem Übergang im ersten Augenblick eigentümlich ist, war dadurch in Diotima entstanden, und sie vermochte sich aus Beschreibungen zu erinnern, daß das ein Zeichen beginnender großer Leidenschaften sei. Sie glaubte vieles, was Arnheim in letzter Zeit gesprochen hatte, in diesem Sinn verstehen zu können. Seine Berichte über seine Stellung, über die für sein Leben nötigen Tugenden und Pflichten waren Vorbereitungen auf etwas Unabwendbares, und Diotima fühlte, alles betrachtend, was bisher ihr Ideal gewesen war, den geistigen Pessimismus der Tat, so wie ein Mensch, dessen Koffer gepackt sind, einen letzten Blick auf die schon halb entseelten Räume wirft, die ihn jahrelang beherbergt haben. Unerwarteterweise hatte das zur Folge, daß Diotimas Seele, vorübergehend ohne Aufsicht der höheren Kräfte, sich wie ein ausgelassener Schuljunge benahm, der so lange umhertollt, bis ihn die Traurigkeit seiner sinnlosen Freiheit befällt, und durch diesen merkwürdigen Umstand trat in ihren Beziehungen zu ihrem Gatten, trotz zunehmender Abwendung für kurze Zeit etwas ein, das, wenn nicht einem Spätliebesfrühling, so doch einer Mischung aus allen Jahreszeiten der Liebe befremdlich ähnlich sah.
Der kleine Sektionschef mit dem angenehmen Geruch einer braunen, trockenen Haut begriff nicht, was vor sich ging. Es war ihm einigemal aufgefallen, daß seine Frau während der Anwesenheit der Gäste einen eigenartig verträumten, in sich gekehrten, fernen und hochnervösen Eindruck mache, wirklich nervös und irgendwie hoch abwesend zugleich; aber wenn sie allein waren, und er, etwas eingeschüchtert und befremdet, sich ihr näherte, um sie danach zu fragen, fiel sie ihm in unbegründeter Heiterkeit plötzlich um den Hals und drückte ein außerordentlich heißes Lippenpaar auf seine Stirn, das ihn an die Brennschere des Friseurs erinnerte, wenn sie beim Bartkräuseln zu nahe an die Haut kommt. Sie war unangenehm, solche unerwartete Zärtlichkeit, und er wischte sie heimlich wieder fort, wenn Diotima nicht hinsah. Wollte aber einmal er sie in seine Arme schließen, oder hatte er sie geschlossen, was noch ärgerlicher war, so warf sie ihm erregt vor, daß er sie nie geliebt habe, sondern nur wie ein Tier über sie herfalle. Nun gehörte ja ein gewisses Maß von Empfindlichkeit und Launen ganz zu dem Bilde, das er sich seit seiner Jugend von einer begehrenswerten, das Wesen des Mannes ergänzenden Frau gemacht hatte, und die durchgeistigte Anmut, mit der Diotima eine Tasse Tee reichte, ein neues Buch in die Hand nahm oder über irgend eine Frage urteilte, von der sie nach der Überzeugung ihres Gatten unmöglich etwas verstehen konnte, hatte ihn immer durch ihre vollendete Form entzückt. Das wirkte auf ihn wie eine unaufdringliche Tafelmusik, etwas, das er ungemein liebte; aber freilich war Tuzzi auch ganz der Meinung, daß die Loslösung der Musik vom Essen (oder vom Kirchgang) und das Bestreben, sie für sich zu betreiben, schon eine bürgerliche Aufgeblasenheit sei, wenngleich er wußte, daß man es nicht laut sagen dürfe, und sich außerdem nie mit solchen Gedanken ausführlich abgab. Was sollte er also tun, wenn Diotima bald ihn umarmte, bald gereizt behauptete, daß an seiner Seite ein seelenvoller Mensch nicht die Freiheit finde, sich zu seinem wahren Wesen zu erheben? Was war auf Forderungen zu erwidern wie diese, mehr an die Tiefen des inneren Schönheitsmeeres zu denken, als sich mit ihrem Körper zu beschäftigen? Er sollte sich plötzlich den Unterschied zwischen einem Erotiker, in dem der Geist der Liebe, unbelastet von Begehrlichkeit, frei schwebt, und einem Sexualiker klarmachen. Es waren das nun freilich Leseklugheiten, über die man lachen könnte; wenn sie aber von einer Frau vorgetragen werden, die sich dabei entkleidet, – mit solchen Belehrungen auf den Lippen! – dachte Tuzzi, so werden sie zu Kränkungen. Denn es entging ihm nicht, daß Diotimas Unterkleidung Fortschritte zu einem gewissen mondänen Leichtsinn gemacht hatte. Sie hatte sich ja immer mit Sorgfalt und Überlegung angezogen, da ihre gesellschaftliche Stellung sowohl erforderte, daß sie elegant sei, wie daß sie den großen Damen keine Konkurrenz mache; aber bei den zwischen ehrbarer Unzerreißbarkeit und dem Spinnengewebe der Lüsternheit liegenden Abstufungen der Wäsche machte sie jetzt Zugeständnisse an die Schönheit, die sie vordem als unwürdig einer intelligenten Frau bezeichnet haben würde. Bemerkte es jedoch Giovanni (Tuzzi hieß Hans, aber er wurde aus Stilgründen zu seinem Nachnamen passend umgetauft), so errötete sie bis an die Schultern und erzählte etwas von der Frau von Stein, welche sogar einem Goethe keine Zugeständnisse gemacht hätte! Sektionschef Tuzzi sollte also nicht mehr, wenn er die Zeit für gekommen hielt, aus dem Umgang mit wichtigen, dem Privaten unzugänglichen Staatsgeschäften sich loslösen und die Entspannung im Schoß des Hauses finden, sondern er fühlte sich Diotima ausgeliefert, und was sich sauber getrennt hatte, Anspannung des Geistes und erholendes Sichergehen des Körpers, sollte geradezu wieder in die anstrengende und ein wenig lächerliche werbende Einheit der Bräutigamszeit gebracht werden, wie bei einem Birkhahn oder einem versemachenden Jüngling.
Man sagt kaum zuviel mit der Behauptung, daß er zuweilen in seinem Innersten geradezu Ekel davor hatte, und in Zusammenhang damit tat ihm der öffentliche Erfolg, den seine Gattin um diese Zeit fand, beinahe weh. Diotima hatte die allgemeine Stimmung für sich, und das war etwas, das Sektionschef Tuzzi unter allen Umständen so achtete, daß er sich fürchtete, verständnislos zu erscheinen, wenn er mit Machtworten oder zu scharfem Spott gegen die ihm unbegreiflichen Launen Diotimas auftrete. Es wurde ihm allmählich klar, daß es ein peinigendes und sorgfältig zu verbergendes Leiden ist, der Gatte einer bedeutenden Frau zu sein, ja in gewissem Sinne ähnlich der Entmannung durch einen Unglücksfall. Er verwandte große Sorgfalt darauf, es sich nicht merken zu lassen, kam und ging, in eine Wolke liebenswürdig amtlicher Undurchsichtigkeit gehüllt, lautlos und unauffällig, wenn bei Diotima Besuch war oder Besprechungen stattfanden, gab gelegentlich höflich zweckdienliche oder auch tröstlich ironische Bemerkungen dazu, schien sein Dasein in einer abgeschlossenen freundlichen Nachbarwelt zu verbringen, schien immer im Einverständnis mit Diotima zu sein, hatte sogar unter vier Augen immer noch von Zeit zu Zeit einen kleinen Auftrag für sie, begünstigte öffentlich den Verkehr Arnheims in seinem Hause, und in den Stunden, die ihm die wichtigen Sorgen seines Dienstes freiließen, studierte er Arnheims Schriften und haßte Männer, die schreiben, als die Ursache seiner Leiden.
Denn das war eine Frage, zu der sich die Hauptfrage, aus welchem Grunde Arnheim in seinem Hause verkehre, jetzt zuweilen zuspitzte: Warum schrieb Arnheim? Schreiben ist eine besondere Form des Schwätzens, und schwätzende Männer waren Tuzzi unausstehlich. Er hatte dann das lebhafte Bedürfnis, die Kinnbacken aufeinander zu pressen und durch die geschlossenen Zähne zu spucken wie ein Matrose. Davon gab es natürlich Ausnahmen, die er gelten ließ. Er kannte einige höhere Beamte, die nach ihrer Pensionierung ihre Erinnerungen verfaßt hatten, und auch solche, die zuweilen in den Zeitungen schrieben; Tuzzi erklärte es damit, daß ein Beamter nur schreibt, wenn er unzufrieden oder wenn er ein Jude ist, denn Juden waren nach seiner Überzeugung ehrgeizig und unzufrieden. Sodann hatten große Männer der Praxis Bücher über ihre Erfahrungen geschrieben; aber an ihrem Lebensabend und in Amerika oder höchstens in England. Ferner war Tuzzi ja überhaupt literarisch gebildet und bevorzugte wie alle Diplomaten Memoiren, aus denen man geistvolle Aussprüche und Menschenkenntnis lernen konnte; aber irgendetwas sollte es doch bedeuten, daß solche heute nicht mehr geschrieben werden, und wahrscheinlich handelt es sich da um ein veraltetes Bedürfnis, das einer Zeit neuer Sachlichkeit nicht mehr angemessen ist. Endlich schreibt man auch, weil das ein Beruf ist; das anerkannte Tuzzi voll und ganz, wenn man genügend damit verdient oder unter den nun einmal irgendwie gegebenen Begriff Dichter fällt; er fühlte sich sogar ziemlich geehrt, die Spitzen dieses Berufs bei sich zu sehen, zu dem er bisher die vom Reptilfonds des Auswärtigen Amtes genährten Schriftsteller gerechnet hatte, aber ohne viel nachzudenken, würde er auch die Ilias und die Bergpredigt, die er doch beide sehr verehrte, zu diesen Leistungen gezählt haben, deren Entstehen aus freiwillig oder abhängig ausgeübtem Beruf zu erklären ist. Bloß wie ein Mann gleich Arnheim, der das in gar keiner Weise nötig hatte, dazu kam, so viel zu schreiben, das war etwas, hinter dem Tuzzi jetzt erst recht etwas vermutete, dem er in keiner Weise nähergekommen war.

Soliman, der kleine Negersklave, oder auch Negerfürst, hatte Rachel, der kleinen Zofe oder auch Freundin Diotimas während dieser Zeit die Überzeugung beigebracht, daß sie die Vorgänge im Hause über wachen müßten, um einem dunklen Plane Arnheims vorzubeugen, wenn der Augenblick gekommen sein werde.
Genauer gesagt, er hatte sie zwar nicht überzeugt, aber sie paßten beide wie Verschwörer auf und lauschten jedesmal an der Türe, wenn Besuch da war. Soliman erzählte fürchterlich viel von hin und her reisenden Kurieren und geheimnisvollen Personen, die im Hotel bei seinem Herrn ein und aus gingen, und erklärte sich bereit, einen afrikanischen Fürsteneid darauf abzulegen, daß er die geheime Bedeutung entdecken werde; der afrikanische Fürsteneid bestand darin, daß Rachel ihre Hand zwischen den Knöpfen seiner Joppe und seines Hemdes auf seine nackte Brust legen sollte, während er die Beteuerung aussprechen und mit seiner eigenen Hand Rachel das gleiche tun würde wie sie ihm; aber Rachel wollte nicht. Immerhin, die kleine Rachel, die ihre Herrin an- und auskleiden und für sie telefonieren durfte, durch deren Hände jeden Morgen und Abend Diotimas schwarzes Haar floß, während durch ihre Ohren goldene Reden flossen, diese kleine Ehrgeizige, die auf der Spitze einer Säule gelebt hatte, seit es die Parallelaktion gab, und täglich in den Strömen der Anbetung zitterte, die von ihren Augen zu der gottgleichen Frau aufstiegen, fand seit einiger Zeit ihr Vergnügen daran, diese Frau schlicht und einfach auszuspähen.
Durch offene Türen aus Nebenzimmern oder durch den zögernd geschlossenen Spalt einer Türe oder schlechtweg während sie langsam irgend etwas in ihrer Nähe verrichtete, belauschte sie Diotima und Arnheim, Tuzzi und Ulrich und nahm Blicke, Seufzer, Handküsse, Worte, Lachen, Bewegungen in ihre Obhut, die wie die Schnitzel eines zerrissenen Dokuments waren, das sie nicht zusammensetzen konnte. Aber namentlich die kleine Öffnung des Schlüssellochs zeigte ein Vermögen, das Rachel merkwürdig genug an die lang vergessene Zeit erinnerte, wo sie ihre Ehre verlor. Weit drang der Blick ins Innere der Zimmer; in flächenhafte Teile aufgelöst, schwammen die Personen darin, und die Stimmen waren nicht mehr in den schmalen Rand der Worte gefaßt, sondern wucherten als sinnloser Klang; Scheu, Verehrung und Bewunderung, durch die Rachel an diese Personen geknüpft war, wurden dann von einer wilden Auflösung zerrissen, und das war aufregend, wie wenn ein Geliebter mit seinem ganzen Wesen plötzlich so tief in die Geliebte eindringt, daß es finster wird vor den Augen und hinter dem geschlossenen Vorhang der Haut das Licht aufflammt. Die kleine Rachel kauerte vor dem Schlüsselloch, ihr schwarzes Kleid spannte sich um Knie, Hals und Schultern, Soliman kauerte in seiner Livree neben ihr wie eine heiße Tasse Schokolade in einer dunkelgrünen Schale, und zuweilen hielt er sich mit einer schnellen, einen Augenblick ruhenden, dann sich bis auf die Fingerspitzen und zärtlich zögernd schließlich auch diese loslösenden Bewegung der Hand an Rachels Schulter, Knie oder Rock fest, wenn er das Gleichgewicht verlor. Er mußte kichern, und Rachel legte ihre kleinen weichen Finger auf die prallen Polster seiner Lippen.
Soliman fand übrigens das Konzil nicht interessant, im Gegensatz zu Rachel, und drückte sich von der Aufgabe, gemeinsam mit ihr die Gäste zu bedienen, wie er nur konnte. Er zog es vor, mitzukommen, wenn Arnheim allein Besuch machte. Dann mußte er freilich in der Küche sitzen und warten, bis Rachel wieder frei war, und die Köchin, die sich am ersten Tag mit ihm so gut unterhalten hatte, wurde ärgerlich, weil er seither beinahe stumm geworden war. Aber Rachel hatte niemals Zeit, lange in der Küche zu sitzen, und wenn sie wieder ging, erwies die Köchin, die ein Mädchen in den Dreißig war, Soliman mütterliche Freundlichkeiten. Er duldete sie eine kleine Weile mit seinem hochmütigsten Schokoladengesicht, dann pflegte er aufzustehn und so zu tun, wie wenn er etwas vergessen hätte oder suchte, richtete nachdenklich seine Augen zur Decke, stellte sich mit dem Rücken zur Tür und fing an rückwärts zu gehn, geradeso, als ob er dadurch bloß besser die Decke sehen wollte; die Köchin erkannte dieses ungeschickte Theater schon, sobald er nur aufstand und das Weiße der Augen herauskugelte, aber aus Ärger und Eifersucht tat sie so, als ob sie sich nichts dabei dächte, und Soliman gab sich schließlich auch gar nicht mehr viel Mühe mit der Darstellung, die bereits wie eine abgekürzte Formel war, bis zu dem Augenblick, wo er auf der Schwelle der hellen Küche stand und mit möglichst unbefangenem Gesicht noch eine kleine Weile zögerte. Die Köchin sah nun just nicht hin. Soliman glitt wie ein dunkles Bild in dunkles Wasser mit dem Rücken voran ins finstere Vorzimmer, lauschte überflüssigerweise noch eine Sekunde und begann dann plötzlich mit phantastischen Sprüngen auf Rachels Spur durch das fremde Haus zu setzen.
Sektionschef Tuzzi war niemals daheim, und vor Arnheim und Diotima fürchtete sich Soliman nicht, weil er wußte, daß sie nur für einander Ohren hatten. Er hatte sogar einigemal den Versuch unternommen, etwas umzuwerfen, und war nicht bemerkt worden. Er war Herr in allen Zimmern wie ein Hirsch im Walde. Das Blut drängte wie ein Geweih mit achtzehn dolchscharfen Sprossen aus seinem Kopf. Die Spitzen dieses Geweihs streiften Wände und Decke. Es war Haussitte, daß in allen Zimmern, wenn sie augenblicklich nicht benützt wurden, die Vorhänge zugezogen wurden, damit die Farben der Möbel nicht unter der Sonne litten, und Soliman ruderte durch das Halbdunkel wie durch Blätterdickicht. Es machte ihm Freude, das mit übertriebenen Bewegungen auszuführen. Sein Trachten war Gewalt. Dieser von der Neugierde der Frauen verwöhnte Knabe hatte in Wahrheit noch nie mit einer Frau verkehrt, sondern nur die Laster der europäischen Knaben kennen gelernt, und seine Begierden waren noch so ungesänftigt von Erfahrung, so ungezügelt und nach allen Seiten brennend, daß seine Lust nicht wußte ob sie sich in Rachels Blut, in ihren Küssen oder in einem Erstarren aller Adern in seinem Leib stillen solle, sobald er die Geliebte erblicke.
Wo immer sich Rachel auch verbarg, tauchte er plötzlich auf und lächelte über seine gelungene List. Er schnitt ihr den Weg ab, und weder das Arbeitszimmer des Herrn noch Diotimas Schlafzimmer war ihm heilig; er kam hinter Vorhängen, Schreibtisch, Schränken und Betten hervor, und Rachel brach jedesmal beinahe das Herz ab, über solche Keckheit und beschworene Gefahr, sobald sich irgendwo das Halbdunkel zu einem schwarzen Gesicht verdichtete, aus dem zwei weiße Zahnreihen aufleuchteten. Aber sobald Soliman der wirklichen Rachel gegenüberstand, überwältigte ihn die Sitte. Dieses Mädchen war so viel älter als er und so schön wie ein zartes Herrenhemd, das man bei bestem Willen nicht gleich verderben kann, wenn es frisch aus der Wäsche kommt, und überhaupt einfach so wirklich, daß alle Phantasien in ihrer Gegenwart erblichen. Sie machte ihm Vorwürfe wegen seines ungezogenen Benehmens und pries Diotima, Arnheim und die Ehre, an der Parallelaktion mitwirken zu dürfen; Soliman aber hatte immer kleine Geschenke für sie bei sich und brachte ihr bald eine Blume mit, die er aus dem Strauß rupfte, den sein Herr Diotima übersandte, bald eine Zigarette, die er zu Hause gestohlen hatte, oder eine Handvoll Bonbons, die er im Vorbeigehn aus einer Schale raubte; er preßte dann bloß Rachels Finger und führte ihre Hand, während er ihr das Präsent überreichte, an sein Herz, das in seinem schwarzen Körper wie eine rote Fackel in dunkler Nacht brannte.
Und einmal war Soliman sogar in Rachels Kammer gedrungen, wohin sie sich auf strengen Befehl Diotimas, die tags vorher während Arnheims Anwesenheit durch eine Unruhe im Vorzimmer gestört worden war, mit einer Näharbeit hatte zurückziehen müssen. Sie hatte sich, ehe sie ihren Hausarrest antrat, schnell nach ihm umgesehen, ohne ihn zu finden, und als sie traurig in ihre kleine Stube trat, saß er leuchtend auf ihrem Bett und sah ihr entgegen. Rachel zögerte, die Tür zu schließen, aber Soliman sprang auf und tat es. Dann kramte er in seinen Taschen, zog etwas hervor, blies es sauber und näherte sich dem Mädchen wie ein heißes Bügeleisen. »Gib deine Hand!« befahl er.
Rachel hielt sie ihm hin. Er hatte ein paar bunte Hemdknöpfe in der seinen und machte den Versuch, sie in die Stulpe von Rachels Ärmel einzusetzen. Rachel dachte, es sei Glas.
»Edelsteine!« erläuterte er stolz.
Das Mädchen, dem bei diesem Wort Böses ahnte, zog rasch den Arm an sich. Sie dachte sich nichts Bestimmtes; der Sohn eines Mohrenfürsten mochte, auch wenn er gestohlen worden war, heimlich im Hemd eingenäht noch einige Edelsteine besitzen, darüber weiß man nichts Sicheres; aber sie fürchtete sich unwillkürlich vor diesen Knöpfen, als ob ihr Soliman Gift hinhielte, und mit einemmal kamen ihr alle Blumen und Bonbons, die er ihr schon geschenkt hatte, recht sonderbar vor. Sie preßte die Hände an den Leib und sah Soliman entgeistert an. Sie fühlte, daß sie ihm ernste Worte sagen müßte; sie war älter als er und diente bei einer gütigen Herrschaft. Aber es fielen ihr in diesem Augenblick nur solche Sprüche ein wie »Ehrlich währt am längsten« oder »Üb immer Treu und Redlichkeit«. Sie wurde bleich; das erschien ihr zu einfach. Sie hatte ihre Lebensweisheit im Elternhaus empfangen, und das war eine strenge Weisheit, so schön und einfach wie alter Hausrat, aber man konnte nicht viel damit anfangen, denn bei solchen Sprüchen kam immer nur ein Satz und dann gleich der Schlußpunkt. Und sie schämte sich in diesem Augenblick solcher Kinderweisheit, wie man sich alter, abgetragener Sachen schämt. Daß die alte Truhe, die auf dem Boden armer Leute steht, nach hundert Jahren eine Zierde im Salon der reichen wird, wußte sie nicht, und wie alle ehrlichen einfachen Leute bewunderte sie einen neuen Rohrstuhl. Darum suchte sie in ihrem Gedächtnis nach Ergebnissen ihres neuen Lebens. Aber so vieler wunderbaren Liebes- und Schreckensszenen sie sich auch aus den Büchern erinnerte, die sie von Diotima bekommen hatte, keine war gerade so, wie sie es hier gebraucht hätte, alle die schönen Worte und Gefühle hatten ihre eigenen Situationen und paßten so wenig in die ihre wie ein Schlüssel in ein fremdes Schloß. Das gleiche begab sich mit den herrlichen Aussprüchen und Ermahnungen, die sie von Diotima empfangen hatte. Rachel fühlte einen glühenden Nebel kreisen und war den Tränen nahe. Endlich sagte sie heftig: »Ich bestehle nicht meine Herrschaft!«
»Warum nicht?« Soliman zeigte die Zähne.
»Ich tue es nicht!«
»Ich habe nicht gestohlen. Das gehört mir!« rief Soliman aus.

»Eine gute Herrschaft sorgt für uns Arme« fühlte Rachel. Liebe zu Diotima fühlte sie. Grenzenlose Achtung vor Arnheim. Tiefen Abscheu vor jenen wiegelnden und wühlenden Menschen, die eine gute Polizei subversive Elemente nennt; – aber sie hatte für alles das nicht die Worte. Wie ein riesiger, mit Heu und Frucht überladener Wagen, an dem Bremse und Hemmschuh versagen, kam dieser ganze Ballen von Gefühl in ihr ins Rollen.
»Das ist mein! Nimm es!« wiederholte Soliman, der wieder nach Rachels Hand griff. Sie riß den Arm zurück, er wollte ihn festhalten, geriet allmählich in Wut, und als er nahe daran war, loslassen zu müssen, weil seine Knabenkraft gegen Rachels Widerstand nicht ausreichte, die sich mit dem ganzen Gewicht ihres Körpers aus dem Griff seiner Hände zog, beugte er sich besinnungslos nieder und biß wie ein Tier in den Arm des Mädchens.
Rachel schrie auf, mußte den Schrei zurückhalten und stieß Soliman ins Gesicht.
Aber in diesem Augenblick standen ihm schon die Tränen in den Augen, er warf sich auf die Knie, preßte seine Lippen an Rachels Kleid und weinte so leidenschaftlich, daß Rachel fühlte, wie die heiße Nässe bis auf ihre Schenkel drang.
Sie blieb ohnmächtig vor dem Knienden stehn, der sich an ihren Rock klammerte und den Kopf an ihrem Leib vergrub. Sie hatte noch nie im Leben ein solches Gefühl kennengelernt und strich Soliman leise mit den Fingern durch den weichen Draht seiner Haarbüschel.