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V 6 34 Kap 52

( 51 . .. nicht einfach ..) 7.

des Gefühls in der Selbstbetrachtung und in den höchsten Graden seiner Erregung war nicht zufällig. Denn beides sind Zustände, in denen das Handeln aufgehoben oder gestört ist; und weil der Zusammenhang zwischen Fühlen und Handeln so eng ist, daß ihn manche für eine Einheit halten, ergänzten die beiden Beispiele einander nicht ohne Sinn.

Was Ulrich er aber zu sagen vermied, war gerade das, was sie beide persönlich davon wußten, daß wirklich mit der höchsten Stufe des Liebesgefühls ein Zustand des geistigen Erlöschens und der körperlichen Ratlosigkeit verbunden sein kann. Darum wandte er mit einer gewissen Gewaltsamkeit das Gespräch von der Bedeutung , die d e a s Handeln s für's Fühlen hat, ab; und scheinbar in der Absicht, wieder der Einteilung der Liebe nach Gegenständen zu erwähnen. Auf den ersten Blick schien sich diese etwas grillenhafte Möglichkeit auch besser zu dem Behuf zu eignen, die Vieldeutige in Ordnung zu bringen. Denn wenn es, mit einem Beispiel zu beginnen, Lästerung ist, die Liebe zu Gott mit dem gleichen Wort zu bezeichnen wie die zum Fischen, so liegt das doch zweifellos an dem Unterschied dessen, dem die Liebe gilt; und so läßt sich die Bedeutung des Gegenstands auch an andren Beispielen ermessen. Was die ungeheuren Unterschiede in die Beziehung, etwas zu lieben, hineinträgt, ist also nicht sowohl die Liebe als vielmehr das Etwas. So gibt es denn Gegenstände, welche die Liebe reich und gesund machen; und andere, die sie arm und kränklich machen, als ob das allein an ihnen läge. Es gibt Gegenstände, die die Liebe erwidern müssen, wenn diese ihre ganze Kraft und Eigenart entfalten soll; und andere gibt es, bei denen jede ähnliche Forderung zum voraus sinnlos wäre. Platterdings unterscheidet das die Beziehung zu lebenden Wesen von der zu unbeseelten; aber auch unbeseelt sind ist der Gegenstand der rechte Gegenspieler der Liebe, und seine Eigenschaften beeinflußen die ihren.

Je ungleichwertiger dieser Gegenspieler nun ist, desto schiefer, um nicht zu sagen leidenschaftsverzerrter, wird sie selbst. „Vergleiche" mahnte Ulrich „die gesunde Liebe junger Menschen für einander und die lächerlich übertriebene des Einsamen zu Hund, Katze oder Piepmatz. Sieh die Leidenschaft zwischen Mann und Frau erlöschen oder wie einen abgewiesenen Bettler lästig werden, wenn sie nicht oder nicht voll erwidert wird. Vergiß auch nicht, daß in den ungleichen Verbindungen, die wie sie zwischen Eltern und Kindern oder Herr und Diener bestehn, zwischen einem Mann und dem Gegenstand seines Ehrgeizes oder seines Lasters, das Verhältnis zur Gegenliebe der unsicherste, und schlechthin der verderbliche Teil ist. Überall,